Weinrunde am 20.4.2026 mit Referat von GM Dr. Fritz Schumann über Rebenschutz

Rebenschutz – wie ich ihn erlebt habe (Dr. Schumann, 20.4.2026)

Unser Großmeister Dr. Fritz Schumann gehört zu den Menschen, denen man gerne zuhört und deren immenses Fachwissen stets gefragt ist. So war es nicht verwunderlich, dass unser Ordensmeister Oliver Stiess am vergangenen Montag über 70 Weinbrüder zu dessen Vortrag im Ordenshaus begrüßen konnte.

Dr. Schumann berichtete in seiner unnachahmlichen Art – wie gewohnt anschaulich und stets mit einer Portion Humor gewürzt – über die Veränderungen im Weinbau während der letzten 100 Jahre, speziell in der Technik der Schädlingsbekämpfung. Er stellte fest, dass es beim Pflanzenschutz in den Jahren von 1935 bis 1955 kaum Veränderungen gegeben habe, eine rasante Entwicklung erfolgte erst ab Mitte der 50er Jahre. Inländische Schädlinge (z.B. der „Traubenwickler“) wurden mit chemischen Präparaten (z.B. Arsenverbindungen) bekämpft, teilweise mit verheerenden Folgen. Den „Starenflug“ hat man durch Feuerwerke (erstmals 1963) beschleunigt, oder Netze ausgelegt, die aber auch Gefahren für die Tierwelt darstellten. Abhilfe für unvorhergesehene Frostperioden versuchte man durch Ölöfchen im Wingert oder durch Vernebelung zu schaffen.

„Eingeschleppte“ Krankheiten bzw. Schädlinge, wie z.B. „Oidium“, „Peronospora“ oder die Reblaus bekämpfte man insbesondere mit rückstandsgefährdeten Mitteln (z.B. Schwefelverbindungen oder /und Kupfervitriol. Die Umstellung auf den Pfropfrebenbau markierte einen Wendepunkt in der indirekten Bekämpfung der Reblaus.

Im zweiten Teil seines Vortrags stellte unser Großmeister mithilfe anschaulicher Bilder und Fotos aus den 40er und 50er Jahren die Geschichte der Bekämpfungstechnik dar: Von der körperlich belastenden „Rückenspritze“ über den „Schwefler“ bis hin zum „motorbetriebenen Rückenschwefler“ und zu den fahrbaren Sprühgeräten der 50er Jahre. Auch die ersten Schutzmaßnahmen für die Winzer, wie Schutzmasken bzw. Optimadüse, stellte Dr. Schumann mit Fotos vor.

Abschließend ging der Referent kurz auf die Entwicklung des Arbeitsaufwands im Weinbau ein. Während dieser im Jahr 1880 noch bei ca. 2176 Std./Jahr lag, beträgt er heute noch ca. 212 Std/Jahr, d.h. ein Rückgang von 90% konnte durch entsprechende Mechanisierung erreicht werden. Passend dazu auch die letzte Statistik: 1880 wurde pro Hektar in einer Arbeitsstunde 1 Liter Wein „erzeugt“, heute sind es 50 Liter!

Im Anschluss bedankte sich Ordenskanzler Karl-Heinz Bauer bei unserem Großmeister für dessen wiederum fachlich überaus fundiertem Vortrag.

Bernd Dieffenbacher

k 03 20.04.26 Rebenschutz früher 2